Gemeinderat · 29.10.2026
Seniorenbeauftragter in Kissing: Erst wollte niemand – dann waren plötzlich zwei Bewerbungen nicht gut genug?
Kissing hat wieder einen Seniorenbeauftragten. Nach monatelanger Suche wurde in der letzten Gemeinderatssitzung Manfred Paul (FDP) in dieses Amt gewählt. Wir wünschen ihm für seine neue Aufgabe alles Gute. Dennoch möchten wir erklären, warum wir dieser Wahl nicht zugestimmt haben und weshalb uns der gesamte Ablauf nachdenklich stimmt.
Rückblick: Eine Kandidatin war bereits im Mai bereit
Bereits in der konstituierenden Sitzung am 7. Mai 2026 stand die Neubesetzung des Seniorenbeauftragten auf der Tagesordnung.
Nachdem die zunächst vorgeschlagene Gemeinderätin Petra Pfeiffer (SPD) aus zeitlichen Gründen abgelehnt hatte und sich sonst niemand meldete, schlugen wir unsere Gemeinderätin Nicole Ludwig für dieses Ehrenamt vor.
Sie war bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und sich für die Interessen der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger einzusetzen.
Doch obwohl sie die einzige zur Wahl stehende Kandidatin war, wurde sie abgelehnt. Außerhalb unserer Fraktion fand sich keine ausreichende Unterstützung.
Das ist selbstverständlich das demokratische Recht jedes Gemeinderatsmitglieds. Niemand ist verpflichtet, einer Kandidatin zuzustimmen.
Allerdings sollte man sich dann auch bewusst sein, welche Folgen eine solche Entscheidung hat.
Es gab eine Bewerberin. Sie wollte Verantwortung übernehmen. Der Gemeinderat wollte sie nicht.
Monatelang hieß es, niemand wolle das Amt übernehmen
In den darauffolgenden Monaten wurde das Thema immer wieder angesprochen. Es wurde nachgefragt, wie es mit der Besetzung weitergehe, und wiederholt entstand der Eindruck, dass sich einfach niemand für diese Aufgabe finden lasse.
Dabei war das so nicht richtig.
Eine Kandidatin hatte sich bereits im Mai zur Verfügung gestellt. Sie wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Denn ob sich niemand bereit erklärt, ein Ehrenamt zu übernehmen, oder ob eine vorhandene Kandidatin keine Mehrheit erhält, sind zwei völlig verschiedene Sachverhalte.
Wir hätten uns gewünscht, dass dieser Unterschied auch in der weiteren Diskussion klar benannt worden wäre.
Dann meldete sich sogar eine Bürgerin
Besonders erfreulich fanden wir, dass sich zwischenzeitlich auch eine Bürgerin aus Kissing für das Amt interessierte und eine entsprechende Bewerbung vorlag.
Aus unserer Sicht wäre das eine hervorragende Gelegenheit gewesen.
Eine Bürgerin, die sich freiwillig für die Interessen unserer älteren Mitmenschen einsetzen möchte, verdient zunächst einmal Anerkennung.
Wir hätten eine solche Bewerbung ausdrücklich begrüßt und wären bereit gewesen, ihr unsere Stimme zu geben.
Doch bevor diese Bewerbung überhaupt näher behandelt wurde, fragte der Bürgermeister in der jüngsten Sitzung erneut nach möglichen Kandidaten aus dem Gemeinderat.
Daraufhin schlug die CSU-Fraktion Manfred Paul (FDP) vor.
Er erklärte sich bereit, das Amt zu übernehmen, und wurde schließlich mit 18 zu 4 Stimmen gewählt.
Über die vorliegende Bewerbung aus der Bürgerschaft wurde anschließend nicht einmal mehr diskutiert.
Warum wir dagegen gestimmt haben
Unsere Gegenstimmen richteten sich ausdrücklich nicht gegen Manfred Paul als Person.
Wir sprechen ihm weder seine Bereitschaft noch seine Fähigkeit ab, sich für ältere Menschen einzusetzen.
Was wir jedoch kritisieren, ist der Weg, auf dem diese Entscheidung zustande gekommen ist.
Zunächst wurde eine Kandidatin aus dem Gemeinderat abgelehnt, obwohl es keine andere Bewerberin gab.
Anschließend blieb das Amt über Monate unbesetzt.
Dann meldete sich eine Bürgerin, die bereit war, diese ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen.
Und ausgerechnet jetzt fand sich plötzlich doch noch jemand aus dem Gemeinderat.
Natürlich darf sich jeder Gemeinderat auch später noch für ein Amt entscheiden.
Aber die Frage muss erlaubt sein:
Warum musste erst eine Bewerbung aus der Bürgerschaft vorliegen, bevor sich plötzlich doch noch eine Lösung innerhalb des Gemeinderats fand?
Für uns entsteht dadurch der Eindruck, dass eine Besetzung aus dem Gemeinderat letztlich wichtiger war als eine offene und faire Auseinandersetzung mit allen vorhandenen Bewerbungen.
Ehrenamtliches Engagement sollte man nicht so behandeln
Gerade beim Amt des Seniorenbeauftragten geht es nicht um parteipolitische Machtverhältnisse oder darum, welcher Fraktion jemand angehört.
Es geht um Menschen.
Um ältere Bürgerinnen und Bürger, die Unterstützung benötigen, Ansprechpartner suchen oder deren Anliegen in der Gemeindepolitik Gehör finden sollen.
Deshalb empfinden wir den gesamten Ablauf als besonders unglücklich.
Monatelang blieb dieses wichtige Ehrenamt unbesetzt. Eine erste Kandidatin wurde abgelehnt. Eine weitere Bewerbung aus der Bürgerschaft wurde schließlich nicht einmal mehr beraten.
Welches Signal sendet das an Menschen, die sich künftig ehrenamtlich für unsere Gemeinde engagieren möchten?
Sollen sich Bürgerinnen und Bürger überhaupt noch für solche Aufgaben melden, wenn ihre Bereitschaft am Ende nicht einmal zu einer ernsthaften Diskussion über ihre Bewerbung führt?
Und welches Signal sendet es an unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, wenn sich über Monate niemand aus dem Gemeinderat bereit erklärt, dieses Amt zu übernehmen, und dann plötzlich doch noch ein Kandidat gefunden wird?
Aus unserer Sicht hat das Amt des Seniorenbeauftragten einen besseren Umgang verdient.
Unser Fazit
Wir sind nicht enttäuscht, weil unsere Kandidatin im Mai nicht gewählt wurde. Eine demokratische Abstimmung muss man akzeptieren können, auch wenn einem das Ergebnis nicht gefällt.
Was wir jedoch nicht einfach unkommentiert lassen möchten, ist der gesamte Ablauf.
Aus unserer Sicht ist dieser Umgang mit einem so wichtigen Ehrenamt ein herber Schlag ins Gesicht unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Es ist nicht richtig, über Monate den Eindruck zu vermitteln, es finde sich niemand für ein Ehrenamt, wenn tatsächlich bereits eine Kandidatin zur Verfügung stand und abgelehnt wurde.
Ebenso wenig halten wir es für angemessen, eine Bewerbung aus der Bürgerschaft letztlich ohne inhaltliche Beratung beiseitezulegen, nur weil sich kurzfristig doch noch jemand aus dem Gemeinderat bereit erklärt.
Wir hätten uns eine offene, faire und vor allem an den Interessen unserer Senioren orientierte Entscheidung gewünscht.
Nicht die Parteizugehörigkeit oder die Mitgliedschaft im Gemeinderat sollte entscheidend sein, sondern die Bereitschaft und Eignung, sich für unsere älteren Mitbürger einzusetzen.
Wir wünschen Manfred Paul dennoch viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe. Wir hoffen, dass er sich mit Engagement für die Senioren in Kissing einsetzen wird.
Denn am Ende sollte eines im Mittelpunkt stehen: Nicht, wer das Amt bekommt, sondern was für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger erreicht wird.
Ihre Gemeinderäte der AfD-Fraktion Kissing
